Next of Kin
Ausnahmsweise behandel ich gleich zwei Spiele in einem Artikel. Sie gehören nämlich zusammen - und dann doch auch irgendwie nicht. Die Rede ist von Next of Kin von Spelkväll Games. Der Entwickler macht Pixelspiele im RPG-Maker. Keine große Kunst meinst ihr? Nun, da liegt ihr falsch. Das technische Grundgerüst mag zwar simpel sein, aber die Spiele sind das noch lange nicht. Denn ein gutes Spiel macht vor allem seine Geschichte aus - und da leistet Spelkväll Games großes.
Die Spiele der Reihe sind in sich geschlossene Abenteuer. Es ist also keine Serie, die aufeinander aufbaut. Man kann also jeder Teil unabhängig und in beliebiger Reihenfolge erleben, ohne dass man Verständnisprobleme bei der Handlung haben wird.
Doch wie kommt es, dass hier gleich zwei Spiele abgehandelt werden? Nun, als ich mit an das aktuelle Spiel machte und dafür den Key gesucht habe, tauchte plötzlich auch der Vorgänger in der Suche auf. Ich habe dann vergeblich nach einem Artikel im alten Blog gesucht. Offenbar hat da irgendwer von den Pixelspielern mal nach einem Code gefragt und dann doch nichts geschrieben. Ich weiß nur, dass ich das nicht war. Trotzdem wollte ich aber doch noch wenigsten einen kurzen Blich darauf werfen (und habe es dann durchgespielt). Also ist es nur fair und richtig, wenn ich hier auch ein paar Zeilen darüber verliere.
Next of Kin: Fidelity
Das Spiel erschien bereits 2925, kann aber freilich immer noch erworben und gespielt werden. Ganz so wie ich das gemacht habe (bis auf das Erwetben - ich habe den vorhandenen Key genutzt). Da das noch vor Anschaffung der Switch 2 war, habe ich auch auf der Xbox gespielt. Dank RPG-Maker merkt man da aber auch keinerlei systemspezifische Unterschiede. Schließlich würde der vermutlich auch auf meinem Toaster laufen, wenn der einen Display hätte.
Ihr merkt es schon: ich bin davon kein großer Fan mehr. Jedenfalls seit Tausende gleich aussehender Spiele die Stores geflutet haben. Irgendwann man man sich daran einfach satt gesehen. Und im Kern ist das Spielprinzip bei allen ja ähnlich. Wie sticht man daraus dann hervor? In dem man spannende und unterhaltsame Geschichten erzählt. Und das können die Schweden!
Zum Spielbeginn finden wir uns auf einem Raumschiff wieder. Natürlich ereilt uns auch gleich eine Katastrophe und wir dürfen das Raumschiff in einem kleinen Astroiden-Ballerspiel lenken. Doch das dauert nicht lange bis die Steuerung ausfällt und wir mit so einen Gesteinsbrocken kollidieren. Game Over? Weit gefehlt, denn es stellt sich heraus, dass das nur ein Traum eine kleinen Jungen war. Und genau diesen lenken wir dann durch das restliche Abenteuer. Aber davon erzähle ich euch an dieser Stelle nichts. Schließlich sollt es es ja selber spielen.
Wir wandern durch die Spielwelt, reden mit Leuten und erfüllen die eine oder andere Aufgabe für sie. Dabei entsteht dann nach und nach eine spannende Geschichte, die wirklich nett erzählt wird. Das Spiel will auch immer mal wieder einen Witz machen, was aber bei mir nie zu Lachkrämpfen sondern eher zu müden Gähnen geführt hat. Ich vermute mal, dass das ein Sprachproblem ist. Sie konnten halt einfach den Witz vom Schwedischen ins Englische nicht transferieren. Dem Englisch merkt man auch öfters mal an, dass das kein Profi übersetzt hat. Manche Sätze passen vom Satzbau einfach nicht und manche Wörter sind falsch geschrieben. Tippfehler? Nein, eher nicht. Sie wurden geschrieben, wie man sie spricht. Bis das mein Gehirn kapiert hat, dauerte es eine Weile und lies mich oft rätseln, was da gerade gemeint/gesagt wurde.
Gut, Next of Kin: Fidelity mangelt es ein wenig an professioneller Qualität. Aber genau das ist auch irgendwie charmant und bildet mit dem RPG-Maker ein ganz harmonisches Gesamtbild.


Next of Kin: Epiphany
Der neue Ableger der Reihe lässt uns in die Rolle eines Privatdetektivs schlüpfen und dürfen gleich zu Anfang einen mysteriösen Einbruch in eine Tankstelle mitten im Nirgendwo im tiefsten Winter aufklären. Klingt frostig? Ist es auch. Stellt sich nämlich heraus, dass das alles inszeniert ist (Versicherungsbetrug). Das finden wir heraus, in dem wir Beweise sammeln, private Post lesen, Mülleimer durchwühlen und nicht vorhandene Spuren lesen. Eben das was so ein "Privates Auge" (Private Eye) so tut. Wir können dann in Gesprächen Lügen entlarven, indem wir gesammelte Beweise mit der Aussage kombinieren. Das spielt sich fast ein wenig wie in diesem japanischen Anwaltsspielen.
Während Next of Kin: Fidelity eher ein Familiendrama ist, haben wir hier eindeutig einen Krimi aller Tatort vor uns. Und ja, ein Mord erwartet uns dann auch gleich am nächsten Schauplatz. Aber auch hier ist Schluss, denn die Geschichte ist so ziemlich das einzige spannende uns spielenswerte an Next of Kin: Epiphany.
Die Übersetzung ist ein wenig besser gelungen. Es gibt deutlich weniger falsch geschriebene Wörter und auch die meisten Sätze sind verständlich, ohne das mein seine Grauen Zellen aus dem Urlaub holen müsste. Die neuen "Detektivmechaniken" bringen auch ein wenig spielerische Abwechslung und etwas frischen Wind mit. Wunder sollte man aber nicht erwarten, unterm Strich ist es auch nur ein weiteres RPG-Maker-Spiel.
Falls es übrigens noch nicht klar genug von mir gesagt wurde: die Spiele bieten grundsätzlich nur schwedische und englische Sprachunterstützung an. Und wie bereits deutlich wurde, ist Englisch auch leider nicht immer gut übersetzt und zu verstehen. Und wenn das mir schon so geht, für den Englisch inzwischen die Hauptsprache ist, dürfte es für Laien mit Schulenglisch schon sehr schwer sein, da klar zu kommen.


Meine Meinung
Aus der Masse stechen die Next of Kin Spiele definitiv hervor. Sie sind durchaus ein unterhaltsames und teilweise auch intensives Erlebnis. Jedenfalls wenn man die Limitierungen der Engine und die Schwächen der Übersetzung ausblenden kann. Zweifellos trägt aber beides auch zu ihrem Retrocharme bei. Wer gerne auch mal nicht so glatt gebügelte Spiele ausprobiert, der sollte sich zumindest den neusten Teil der Reihe unbedingt mal ansehen.
Next of Kin: Fidelity und Epiphany von Spelkväll Games
für: PC (Windows), PlayStation 5, Switch und Xbox Series X|S
Preis: 3,99 € (Fidelity); Epiphany erscheint am Donnerstag
Link: Fidelity bei Steam, Epiphany bei Steam