Online-Magazin: damals und heute

Online-Magazin: damals und heute

Als ich anno 1990 das erste deutschsprachige Online-Magazin für Videospiele, die GamesWorld, startete war die Welt noch eine andere. Auch gab es den Begriff damals noch nicht. Wir machten ein digitales Spieleheft, welches im Online- Dienst CompuServe zum Download angeboten wurde. Es kam in Form einer Windows-Hilfe-Datei, denn dafür brauchte man keine Extra-Software. Windows hatte man ja, denn das Einwahlprogramm für CompuServe setzte das auch voraus.

Eine möglichst geringe Größe und eine einfache Handhabung machten eine HLP-Datei zur idealen Wahl. Ein Doppelklick darauf und schon konnte man die GamesWorld lesen. Das dürfte für mehr Leser gesorgt haben, als uns damals klar war. Für mich schien die Wahl von der Technik bis zum Vertrieb nur logisch, ohne dabei groß an die potentiellen Leser zu denken. Adobe Acrobat gab es zwar auch schon, aber dessen Dateien waren riesig, erforderten mit dem Acrobat Reader ein separates Abspielprogramm und kostete ein Vermögen an Lizenzgebühren. Wir waren damals alle Schüler, Azubis und Studenten. Uns fehlte schlicht die Möglichkeit zum Kauf einer Acrobat-Lizenz für mehr als 1.000 DM.

Die GamesWorld erschien einmal im Monat zusammen mit ein, zwei anderen Projekten aus dem Team. Eines war die Tauschbötse, eine simple Textdatei, in der man sich und seine Spiele eintragen lassen konnte, umsie zu verkaufen oder zu tauschen. Das war also eine Art digitale Kleinanzeigensammlung. Auch sie wurde monatlich aktualisiert, so dass das gemeinsame Erscheinen sinnvoll war.

Für beides gab es damals ein Vorbild, nämlich Zeitschriften auf Papier. PowerPlay, PC Player & Co. waren die Informationsquellen der damaligen Zeit. Online-Dienste wie CompuServe und AOL zeigten uns aber, wie man schneller an Nachrichten gelangen konnte. Beides haben wir kombiniert und das Online-Magazin war geboren!

Damals hatten wir meist Downloads im hohen dreistelligen Bereich, einmal erzielten wir 1.462 Downloads mit einer Ausgabe. Das ZIP-Archiv war meist ein Megabyte groß. Der Download dauerte gut eine halbe Stunde mit einem 14.4er Modem. Warum ich das erwähne? Nun, online gehen war damals ziemlich teuer. So zahlte man einen monatlichen Beitrag an CompuServe, Dazu dann auch noch ein Minuten-Entgelt für die Nutzung der Foren (so nannten sich die Bereiche der Anbieter, die modernen Webforen bzw. den BBS sehr ähnlich waren) kam. Dann brauchte man auch noch einen Telefonanschluss für den nochmal die gleichen Kosten (monatlich und minütlich) anfielen. Wenn alles perfekt lief (was damals srlten war) kostete eine Ausgabe gut fünf Mark an Gebühren, also fast so viel wie unsere Vorbilder am Kiosk. Übrigens waren die Downloadszahlen damals keineswegs mit der Leser Zahl gleichzusetzen. Wir hatten auch noch knapp 150 Leuten, denen wir eine Diskette schickten und wir wissen, dass der Download und die Disketten gerne auch mit Freunden und Familie geteilt wurden. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber wir haben damals mal gut 1500 bis 2000 Leser pro Ausgabe geschätzt. Später waren wir dann auch auf der CD-ROM der Bestseller Games und sogar im Heft mit einer Doppelseite News zu finden. Hier dürfte das Verhältnis sich aber ins Gegenteil gekehrt haben, denn viele kauften das Magazin nur wegen dem Spiel und nahmen die Extras kaum war. Allerdings hatte das Heft eine große Auflage und wenn nur ein Zehntel davon uns wahrgenommen hat, verdreifacht das schon unsere Leserschaft.

Aus heutiger Sicht mag man diese Zahlen gerne belächelt. Damals waren sie aber durchaus beachtlich und für uns schier überwältigend. Das wurde uns so richtig bewusst, als uns Publisher wir Softgold (Lucasfilm Games) und Cendant (Sierra On-Line) anschrieben, ob sie uns ein paar Spiele schicken dürfen. Auch das ist heute anderes, denn da muss man manchmal schon für einen lausigen Key lange betteln. Damals kamen dann dicke Pakete bei uns an, die oft mehr enthielten, als nur das Spiel. Davon behielten wir leider nichts für uns, sondern sammelten das für Gewinnspiele, die extrem beliebt waren (weil man diese Werbeartikel ja nirgends kaufen konnte) und in einem Fall sogar mein E-Mail-Postfach bei CompuServe sprengten. Nach einem Telefonat mit den Support ließ man Techniker das Problem über Nacht beheben. Auch davon lässt sich heute nur mehr träumen.

Die Nostalgie verklärt aber gebe, dass wir damals auch mit vielen Problemen zu kämpfen hatten. So musste ich stundenlang Disketten kopieren, mich mit abbrechenden Uploads herumschlagen und mit unfreundlichen Paketboten streiten, die mal wieder viel zu große Sendungen in viel zu kleine Briefschlitze pressen wollten. Zumindest an letzterem hat sich bis heute leider nichts geändert...

Für uns war mit Aufkommen des World Wide Webs (heute simpel als Internet bezeichnet) die Luft dann raus. Zwar haben wir noch versucht uns an das neue Medium anzupassen, aber mit den damaligen Limitierungen und den utopischen Gebühren für Webhosting und Domain, kamen wir nicht klar. Sicherlich sorgte auch unsere persönliche Situation zum Ende, denn Schule, Studium und Ausbildung gingen zu Ende und einige Planten auch schon eine Familie. Da war dann einfach keine Zeit mehr für das Hobby oder besser das Online-Magazin, denn wir alle wollten lieber in der Freizeit selbst spielen, als daran zu arbeiten.

Ich bin der Medienbranche zwar treu geblieben (produziere heute TV-Shows und Filme) und habe auch die Videospiele nie vollständig aus den Augen verloren, aber als ich zur Corona-Zeit das Hobby mit den Pixelspielern wiederbelebte, landete ich in einer gänzlich veränderten Welt. Zeitschriften sind fast ausgestorben und auch Blogs waren für Tod erklärt worden. Podcasts und Influencer-Videos sind der neue heiße Scheiß. Während ich erste auch gut finde und gerne höre, stinken mich letztere und vor allem die Szene darum ordentlich an. Die verkehren nämlich die Welt, lassen sich für unseriöse Dauerwerbung bezahlen und verkaufen das dann de Jugend als hippen Journalismus. Von der Wahrheit kann man sich wohl nicht weiter entfernen. Auch finde ich es ziemlich dumm und eine Zeitverschwendung irgendeinem Möchtegern-Hippies beim spielen zuzuschauen und mich damit um den Spaß des Selbererlebens bringe. Stöhnen und blöde Sprüche klopfen kann ich nämlich auch viel besser als die versammelte Influencer-Schar. Müsst ihr mir jetzt halt glauben, denn da wird nie eine Kamera bei sein...

Aber zurück zum Thema. Heute versteht man unter einem Online-Magazin eine Webseite, die aussieht wie eine Zeitschrift von früher und auch diese Inhalte bietet. Meist wird sie auch täglich aktualisiert. Auch viele Blogs, wie Die Pixelspieler, kann man wohl dazu zählen. Als ich zu Corona-Zeiten die spielenswert als E-Mail-Magazin gestartet habe, war es eine neue Form einer alten Idee für mich. Inzwischen gibt es dutzende ähnliche Newsletter und PDF-Magazine. Das zeigt, dass die Idee offenbar eine gute wat und Potenzial hat. Wir versuchen nun das Online-Magazin mit dieser in Einklang zu bringen und ein sich ergänzendes Ganzes daraus zu formen. Ob uns das gelingt, seht ihr auf unserer Reise durch 2026. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns dabei begleitet.