Das Ubisoft-Debakel

Das Ubisoft-Debakel

Vor zwei Jahrzehnten hatte Ubisoft die grandiose Idee die Entwicklung von Videospielen mit ihrer Formel für Open-World-Spiele zu revolutionieren. Schon damals war mir klar, dass das eine bescheuerte Idee ist, denn Spiele leben von Kreativität und nicht durch die immer gleichen Spielmechaniken. Anfangs schien es doch eine gute Idee zu sein, denn Assassin's Creed und FarCry wurden damit deutlich besser. Inzwischen sind aber für jeden die Nachteile der Strategie ganz offensichtlich, denn die letzten Teile der Reihen waren eintönig, repetitiv und die Konkurrenz hat schon längst bessere Spielwelten im Angebot.

Die Ubisoft-Formal haben sich die Manager ausgedacht, um die Gewinne zu maximieren. Kurzfristig hatten sie damit Erfolg, aber langfristig einen verharrenden Schaden angerichtet. Man hat sich quasi komplett von der Kreativität verabschiedet, was in den folgenden Jahren zu einem Exodus der Kreativen bei Ubisoft führte. Kleinere Studios, die noch viel davon hatten und sich auch an solchen Projekten erfolgreich versuchten, wurden geschlossen um Kosten zu sparen. Innovative Spielideen abseits der Kernmarken werden nicht mehr geduldet. Dabei machten gerade diese kleinen Spiele einst das Unternehmen groß.

Mit den Maßnahmen, die die Manager um Yves Guillemot nun treffen, um die Verluste auszugleichen, sind genauso kurzsichtig und katastrophal wie die erste, die das Debakel gestartet hat. Warum? Sie werden rein aus wirtschaftlichen Interessen getroffen. Guillemot ist Unternehmer, kein Spieler. Er hat keinen Zugang zu seinem potentiellen Kundenkreis, verlässt sich einzig auf die Zahlen. Das kann in einer kreativen Branche nicht funktionieren. Und das lernt Ubisoft nun auch die harte Tour. Der Exodus geht 2026 definitiv weiter und schon bald werden auch deutsche Standorte schließen. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

Die Hoffnung, dass das Unternehmen unter der Guillemot-Führung nochmal die Kurve kriegt, kann man zusammen mit dem Remake von Prince of Persia: The Sands of Time begraben. Die Chinesen sind übrigens nur eingestiegen, um beim Leichen fleddern einen Vorteil zu haben. Geht Ubisoft zu Grunde, gehören ihnen quasi schon die wertvollsten Assets des Unternehmen, die man gut weiterverkaufen oder mit anderen (kreativen) Studios ausschlachten kann.

Ich finde an der ganzen Geschichte nichts bedauerlich oder gar überraschend. Das Unternehmen hat schlechte Entscheidung getroffen und trifft diese auch weiter. Dass das zu keinem guten Ende führt, sollte wohl sogar den dümmsten Idioten einleuchten (einzige Ausnahme: der Zombie im Weißen Haus). "Mensch, ganz schön herzlos!", höre ich euch da rufen. Natürlich fühle ich mit dem vielen Menschen die davon direkt betroffen sind. Aber ich halte diese keineswegs für Idioten und damit dürften sie das was da kommt schon ahnen. Sie befinden sich doch schon lange im freien Fall und wenn sie ihren Rettungsschirm immer noch nicht aufgespannt haben, dann kann ihnen bald sowieso keiner mehr helfen.